Flächenverbrauch und seine Auswirkungen
 
Projekt Werntal



 


Pro Tag werden allein in Bayern etwa 28 ha Fläche verbraucht – das sind fast 40 Fußballplätze. Natürliche und fruchtbare Böden werden weggebaggert, zugebaut oder zubetoniert. Lebensräume für Tiere und Pflanzen werden zerstört, Erholungsräume für den Menschen gehen verloren, das Landschaftsbild wird zersiedelt.

Wo immer Menschen wohnen, ist auch das Grundwasser gefährdet: Abwasser kann durch undichte Kanalisation, andere Schadstoffe können z.B. durch Verkehr oder Müll in den Boden gelangen. In privaten Kleingärten wird oft so stark gedüngt, dass hier viel mehr Nitrat in das Grundwasser gelangt, als unter landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Der Flächenverbrauch verhindert, dass sich Grundwasser neu bilden kann. Von versiegelten, d.h. wasserundurchlässigen Oberflächen fließt der Regen in die Kanalisation, statt im Boden zu versickern.

Neustadt Luftbild

Um das Grundwasser zu schützen, braucht man Alternativen zur Zersiedlung der Landschaft und der Ausweitung von Neubaugebieten.Eine Möglichkeit: alte Bausubstanz in den Städten und Dörfern nutzen und dadurch alte Ortskerne wieder lebenswert und attraktiv machen.

  Damit Unterfrankens Orte nicht „alt“ aussehen… Projekt „Ortskernverdichtung“

  Modellprojekte

 

Damit Unterfrankens Orte nicht „alt“ aussehen… Projekt „Ortskernverdichtung“

Moderne Siedlungen sind oft eine Ansammlung von Häusern, Schlafstätten für Arbeitstätige, aber keine Orte. Ein richtiger Wohnort braucht Wurzeln, Geschichte, Gewachsenes. Die Wiederbelebung alter Ortskerne kann nicht nur attraktiven Wohnraum schaffen, sondern sie schützt auch das Grundwasser. Jede siedlungsfreie Fläche trägt dazu bei, dass Regenwasser versickern kann und die Gefährdung durch Schadstoffe sinkt.

Die Regierung von Unterfranken hat sich daher vorgenommen, den Flächenverbrauch zu stoppen und andere Möglichkeiten für neuen Wohnraum zu fördern. Einige Maßnahmen sind:

keine neuen Wohngebiete in Wassereinzugsgebieten ausweisen

alte Ortskerne wieder beleben und zu beliebten Wohnräumen machen

flächensparende Bauformen fördern, alte Bausubstanz kreativ nutzen

regionale Ortsbilder erhalten und verschönern.

Ortskern

Zu den verschiedene Möglichkeiten und Maßnahmen zum sparsamen Flächenverbrauch informiert z. B. das Bündnis zum Flächensparen. Das Bündnis wurde am 29.07.2003 durch Umweltminister Dr. Schnappauf und Innenminister Dr. Beckstein gemeinsam mit Vertretern der Kommunen, des Bauwesens, des Umweltschutzes und weiteren Bündnispartnern initiiert.

 

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Modellprojekte

Konkrete Projekte im Rahmen der Aktion Grundwasserschutz werden erst anlaufen. Hier finden Sie einige Beispiele, wo die Wieder-belebung von Ortskernen oder historischen Bauten schon erfolgreich war:  

Beispiel Wörth
Wörth war Jahrhunderte lang eine vom Hochwasser heimgesuchte Stadt, bis 1998 mit dem Bau einer Schutzanlage begonnen wurde. Der Plan war ehrgeizig: die historische Stadtmauer in ein möglichst einfaches Hochwasserschutzsystem umbauen, aber gleichzeitig so viel von der historischen Bausubstanz wie möglich erhalten. Architekten und Statiker entwickelten für jeden Mauerabschnitt individuelle Schutzlösungen. Das Ergebnis: das Hochwasser ist gebannt, das Stadtbild ist gewahrt und im Altort gibt es heute wieder so viele junge Familien wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Woerth Mauer
Der Hochwasserschutz hat ein neues Leben in Woerth ermöglicht.

Beispiel Iphofen
Neues mit Altem zu verbinden und konsequentes Sanieren, das waren die Leitlinien der Bauplanung Iphofens. Heute ist das unterfränkische Städtchen (4400 Einwohner) ein Gesamtensemble mit Charakter. Flächendeckend wurden Wohnungen im Altort modernisiert, ein „Scheunenprogramm“ dient der Sanierung ortsprägender, leerstehender Scheunen. Gezielte Förderung zieht Handel, Gastronomie und Tourismus wieder in die Innenstadt und alte Traditionen leben wieder auf - wie die Vinothek, in der 21 Winzer gemeinsam ihren Wein verkaufen.

 

Ipfhofen Luftbild
Alt neben Neu – die Vinothek in Iphofen. © SBS Planungsgemeinschaft München
Beispiel Würzburg
Die an historischem Erbe reiche Stadt Würzburg versucht, die Spannung zwischen baulicher Tradition und moderner Architektur zu lösen. So geschehen z.B. im Großprojekt „Alter Hafen“, der sich zum Kulturstandort mit städtischer Galerie, Café, Hotel und Kabarettbühne entwickeln soll. Seit 2002 ist die Galerie im alten Hafengebäude Wirklichkeit: der sogenannte ‚Kulturspeicher’ mit historischer Fassade und transparenten Anbauten steht für eine gelungene Kombination der Architekturstile.
Kulturspeicher Würzburg Kulturspeicher Würzburg

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