Rede des Regierungspräsidenten
Dr. Paul Beinhofer zum „Tag des
Trinkwasser-
schutzgebietes“ am 10. Juli 2003 in Greußenheim
Anrede!
Zuallererst darf ich dem Hausherren - Herrn Bürgermeister
Scheiner – sehr herzlich danken, dass er uns nicht nur sein
Wasserschutzgebiet und seine Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt
hat, sondern auch mit sehr viel persönlichem Engagement und
seinen fleißigen Gemeinde-
arbeitern den heutigen Tag mit vorbereitet hat.
Ich freue mich, auch die Vertreter der Presse begrüßen
zu können. Ein wichtiges Ziel des heutigen Tages ist es ja
nicht nur, uns gegenseitig zu erzählen, wie wichtig das Grundwasser
und sein Schutz sind, sondern unsere Ideen auch in ganz Unterfranken
und darüber hinaus bekannt zu machen.
Vielen Dank an Herrn Neckermann vom Kreisverband des Landesbundes
für Vogelschutz. Der LBV hat zusammen mit der Gemeinde dafür
gesorgt, dass im Wasserschutzgebiet die ganzen Streuobstwiesen neu
angepflanzt wurden. Er ist heute mit einem Informationsstand hier,
um etwas über Apfelsorten, Streuobstwiesen und ihre Bedeutung
für das Wasser zu erzählen. Außerdem dürft
ihr die verschiedenen Äpfel auch probieren.
Aber jetzt komme ich zu den Hauptpersonen: Besonderer Dank gilt
natürlich euch, liebe Schülerinnen und Schülern mit
eueren Klassenlehrerinnen und -lehrern, dass ihr heute nach Greußenheim
gekommen seid, um ein Zeichen für den Schutz des Trinkwassers
zu setzen.
Ihr habt zum Teil schon letztes Jahr an dem Klassenwettbewerb „Trinkwasser
– unser Lebensmittel Nr. 1“ teilgenommen oder für
heute einen Beitrag zum Thema Wasser vorbereitet. Und bestimmt habt
ihr alle im Unterricht schon viel zum Thema Wasser gehört und
gemacht. Und deshalb ist es sicher nicht schwer für euch, wenn
wir jetzt etwas genauer erklären, was wir gerade da draußen
auf der Wiese gemacht haben und warum.
Wir haben draußen auf der Wiese einen Kreis um ein eingezäuntes
Viereck gebildet, wo in der Mitte der Trinkwasserbrunnen steht.
Ihr könnt euch das so vorstellen:
Wenn man die Wiesen da draußen mit der Erde darunter wie einen
Teppich hochheben könnte, würde darunter grauer Fels zum
Vorschein kommen. Und in diesem Fels sind lauter kleine und große
Spalten, in denen das Grundwasser fließt. Der Trinkwasserbrunnen
in dem umzäunten Viereck besteht aus einer fast 50 m langen
Röhre, die in den Fels hinunter gebohrt wurde. Unten hat sie
viele Löcher, wie ein Sieb, dort kann das Grundwasser in die
Röhre hineinfließen. Es sammelt sich und wird dann hochgepumpt
in zwei Hochbehälter, das sind die Wasserspeicher für
Greußenheim. Von dort aus fließt es durch die Wasserleitungen
in alle Häuser von Greußenheim; auch hier in der Halle
kommt aus allen Wasserhähnen das Wasser, das da draußen
gewonnen wird.
Um den Brunnen da draußen ist ein Zaun und ihr könnt
euch sicher vorstellen, warum?
Genau, damit niemand Schmutz oder womöglich Schlimmeres in
das Wasser, aus dem unser Trinkwasser gemacht wird, bringen kann.
Aber wo kommt denn das Grundwasser überhaupt her?
Ihr habt das sicher schon durchgenommen mit dem Wasserkreislauf:
der Regen fällt auf die Erde, ein Teil versickert im Boden
und gelangt schließlich in das Grundwasser. Das Wasser fließt
im Boden aber sehr, sehr langsam – zum Glück, weil dabei
aller Schmutz aus dem Wasser herausgefiltert wird und wir ganz sauberes
Wasser für die Trinkwas-serversorgung gewinnen können.
Wasserschutzgebiete müssen ziemlich groß sein, damit
das Wasser lange genug durch den Boden fließen kann, um sauber
zu werden. Das ganze Wasserschutzgebiet von Greußenheim ist
viel größer als der umzäunte Bereich, es reicht
bis in den Wald hinein, den ihr oben auf dem Hügel, vor dem
wir gestanden haben, gesehen habt. Das ist notwendig, weil das Wasser
aus diesem ganzen großen Gebiet in den Felsspalten beim Trinkwasserbrunnen
zusammen fließt. In bestimmten Bereichen dieses Wasserschutz-gebiets
darf man viele Sachen nicht machen: zum Beispiel keine Häuser
oder Tankstellen bauen oder nicht mit Gülle düngen. Aber
auch mit dem Verkehr muss man da besonders vorsichtig sein, deshalb
steht an allen Strassen durch Wasserschutzgebiete dieses Verkehrsschild.
|
In ganz Bayern wird Trinkwasser
fast nur aus Grundwasser gewonnen und muss nicht groß aufbereitet,
also gereinigt werden – das macht einfach der Boden für
uns. Die meisten Leute in Bayern haben es dabei sogar noch besser
als wir hier in Unterfranken, das zeigen diese beiden Pappkameraden
sehr anschaulich: Das aufgemalte Wasser zeigt, wie viel es pro Jahr
regnet. Wenn man das aufsammelt, würde der Oberbayer bei 2000
mm Niederschlag beinahe ertrinken und dem Unterfranken reicht der
jährliche Niederschlag grade mal bis zum Knie. Bei uns regnet
es also weniger. Und wir haben noch ein anderes Problem mit dem Grundwasser:
Der Boden unter den größten Teilen Unterfrankens ist kein
besonders guter Wasserfilter. Die Bodenschichten, die das Grundwasser
filtern und schützen, sind meist recht dünn und die Gesteine
darunter können nicht sehr viel Wasser speichern. Daher müssen
wir hier in Unterfranken besonders gut auf unser Grundwasser aufpassen.
Und darum haben wir heute auch den Kreis um den Trinkwasserbrunnen
gebildet und uns dabei fotografieren lassen: Um den Leuten in (hoffentlich)
ganz Unterfranken zu zeigen und zu sagen, wie wichtig Wasserschutzgebiete
gerade hier im wasserarmen Unterfranken sind.
Und deshalb haben wir von der Regierung von Unterfranken auch mit
der Aktion begonnen, deren Logo auf euren T-Shirts steht: Mit der
Aktion Grund-
wasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken. Mit dem
Start der Aktion Grundwasserschutz vor gut zwei Jahren haben wir
uns vorgenommen, neue Wege zu gehen, um unsere Versorgung mit Trinkwasser
langfristig zu sichern. Wir wollen damit erreichen, dass ihr und
auch eure Kinder gutes Wasser zum Trinken haben. Mit der Aktion
Grundwasserschutz wollen wir einerseits den Leuten erklären,
wie das in Unterfranken mit dem Grundwasser ist und warum wir so
gut darauf aufpassen müssen. Und andererseits zeigen wir auch
in Beispielen, wie man das Grundwasser besser schützen kann,
z.B., indem in einem Was-serschutzgebiet nur bestimmte Getreidesorten
auf den Feldern angebaut werden.
Wir hier in Unterfranken müssen unser Grundwasser schützen,
damit es, auch wenn ihr erwachsen seid, noch sauber ist und ohne
großen Aufwand als Trinkwasser genutzt werden kann. In anderen
Ländern gibt es jedoch heute schon große Probleme mit
der Wasserversorgung. Ihr habt bestimmt schon gehört, dass
Kinder und Erwachsene in Entwicklungsländern Wasser oft zu
Fuß über weite Strecken holen müssen. Über
eine Milliarde Menschen auf der Erde haben kein sauberes Trinkwasser
– das sind 14 mal so viele Leute wie in ganz Deutschland wohnen.
Viele von ihnen sind Kinder. Und viele von ihnen werden krank oder
sterben sogar, wenn sie schmutziges Wasser trinken müssen (6000
Kinder pro Tag sterben an den Folgen verschmutzten Trinkwassers).
Daher haben die Vereinten Nationen, die Versammlung aller Staaten
der Welt, das Jahr 2003 zum Internationalen Jahr des Süßwassers
erklärt. Ein Ziel dieses Jahres ist der Schutz der Trinkwasservorräte.
Auch darauf wollen wir mit unserer Aktion heute aufmerksam machen.
Warum ist Wasser denn so wichtig? Man könnte ja sagen: Wenn
es kein Wasser gibt, dann trinke ich halt Limo, das ist mir sowieso
lieber. Geht das denn nicht?
Nein, weil in Limo und anderen Getränken auch jede Menge Wasser
drin ist. Überhaupt ist in den meisten Lebensmitteln sehr viel
Wasser enthalten, ob in Milch, Obst, Wurst oder Kartoffeln. Und
Trinkwasser ist das einzige Lebensmittel, das man durch nichts anderes
ersetzen kann. Alles andere kann man irgendwie austauschen: Wenn
es keine Nudeln gibt, isst man eben Kartoffeln. Wenn es keine Wurst
gibt, kann man Käse essen. In China essen die Leute vor allem
Reis und Gemüse und ihnen geht es auch gut dabei.
Aber für Wasser gibt es keinen Ersatz. Ihr wisst das jetzt,
viele Kinder und auch Erwachsene wissen es aber nicht, oder haben
es schon wieder vergessen. Daher bitte ich euch, wenn ihr wieder
in eurer Schule oder zuhause seid, immer wieder zu erzählen,
warum Wasserschutzgebiete so wichtig sind. Und warum es so wichtig
ist, dass alle Kinder (und Erwachsene) überall auf der Welt
sauberes Trinkwasser bekommen, so wie es auf den Karten steht, die
wir vorhin mit den Luftballons haben steigen lassen. Davon könnt
ihr gern noch ein paar mitnehmen und verteilen!
Zum Schluss nochmals vielen Dank an alle, die geholfen haben, unsere
Aktion heute möglich zu machen.
Und jetzt bin ich gespannt, was ihr euch zum Thema „Wasser“
alles habt einfallen lassen.
|