Mit renommierten Referenten besetzt fand am 21.10.2005 auf der Festung Marienberg in Würzburg das erste Würzburger Wasserforum statt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautete „Landwirtschaft mit Zukunft“, denn die Landwirtschaft ist der wichtigste Partner beim praktizierten Grundwasserschutz. Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und den Landwirten tragen zum Schutz des Trinkwassers bei und unterstützen gleichzeitig die Landwirtschaft.
In den Redebeiträgen vor rund 120 geladenen Gästen (Wasserversorger und -wirtschaft, Politiker, Unternehmer und Landwirte aus Unterfranken) wurden Wege aufgezeigt, wie gemeinsam für eine nachhaltige Sicherung der Wasserversorgung und für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung gehandelt werden kann. Hierbei standen neben Informationen und praktischen Beispielen für eine nachhaltige Regionalentwicklung auch der persönliche Kontakt und der Erfahrungsaustausch zwischen den Beteiligten im Fokus.
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Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer betonte in seiner Eröffnungsrede, dass die Gewinnung von Trinkwasser aus Grundwasser eine Herausforderung ist, der man sich stellt. Gerade die klimatischen und geologischen Besonderheiten machen dies in Unterfranken allerdings zu einer besonders schützenswerten Aufgabe. Aus diesen Gegebenheiten wurde vor über 4 Jahren mit der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ begonnen, neue Wege zum Grundwasserschutz einzuschlagen.
Nach Aussage von Dr. Beinhofer ist neben diesen laufenden Projekten jedoch zusätzlich der individuelle Einsatz eines jeden Einzelnen unabdingbar. Zum Beispiel durch ein bewusstes Kaufverhalten beim Konsum von regional und grundwasserverträglich hergestellten Lebensmitteln. Somit werden Landwirte unterstützt, die neben der Lebensmittelerzeugung wichtige Aufgaben als „regionale Trinkwasserschützer“ und Landschaftspfleger erfüllen. Sich der Verantwortung für unsere Heimat zu stellen, die Region zu entwickeln, Arbeitsplätze zu erhalten und dabei die Qualität unsers Trinkwassers zu sichern, das sind die Themen der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ und der heutigen Vorträge.
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Ministerialrat Claus Kumutat vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zeigte den Bayerischen Weg für eine zukunftsfähige Wasserversorgung auf.
In Unterfranken ist vielfach eine sehr ortsnahe Wasserversorgung mit sehr vielen kleinen und kleinsten Wasserversorgern vorhanden. Deren vorsorgender Schutz und Sanierung genießt oberste Priorität. Die zwei Säulen dazu heißen: allgemeiner flächendeckender Grundwasserschutz und erhöhte Anforderungen in Wasserschutzgebieten.
Darüber hinausgehende freiwillige Vereinbarungen mit der Landwirtschaft werden dabei als eine ideale Ergänzung erachtet.
Künftig wird es für die Wasserversorger ungleich wichtiger, sich als moderner, leistungsstarker Dienstleister aufzustellen – gerade bei der heutigen Struktur ein Feld, auf dem ein erheblicher Handlungsbedarf besteht. Kumutat machte deutlich, dass die staatliche Förderung für Wasserver- und Abwasserentsorgung künftig nicht mehr die Höhe der Vergangenheit erreichen wird. Mittel- bis langfristig sind kostendeckende Wasserpreise anzustreben.
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Karl Groenen in seiner Funktion als Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Geschäftsstelle Unterfranken, begrüßte den Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft.
Noch vor einiger Zeit war es nicht selbstverständlich, einen konstruktiven Dialog zu führen, ohne gleich die andere Seite „an den Pranger“ zu stellen. Dank eines mittlerweile weiter verbreiteten Grundverständnissen ob der Situation des anderen gehören solche Denkmuster sicherlich bald der Vergangenheit an.
Groenen stellte explizit die vielfältigen Aufgaben der Landwirtschaft heraus, die weit über die reine Produktion von Lebensmitteln hinausgehen und eben auch Themen wie Landschaftspflege und Grundwasserschutz umfassen. |

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In diese Richtung zielte auch der Vortrag von Prof. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamt für Naturschutz und Pionier auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus. Vogtmann plädierte für einen Schulterschluss von Landwirten und Naturschützern, da deren tatsächliche Interessen zu einem Großteil deckungsgleich sind. Vogtmann stellt fünf Dimensionen einer nachhaltigen Land- und Lebensmittelwirtschaft heraus: Ökologie und Regionalentwicklung, Gesundheit und Verbraucherschutz, Qualität und Markt, Technologie und wissenschaftliche Grundlagen, Energie und nachwachsende Rohstoffe.
Vogtmann referierte über die vielfältigen Zusammenhänge bezüglich der Landwirtschaft zu Wasserqualität, -verbrauch und Hochwasser und stellte mögliche Beiträge der Landwirtschaft zur Zielerreichung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie heraus. Sein Fazit: Die Landwirtschaft ist zukunftsfähig und wird in der Wertschätzung der Verbraucher weiter wachsen, denn gerade auf dem Feld der Lebensmittel wird verstärkt erkannt, dass die Maxime „Geiz ist geil“ zwangsläufig in eine Sackgasse führt.
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Stefan Bauer, Geschäftsführer der Distelhäuser Brauerei, stellte im Vortrag sein Regionalkonzept als Partnerschaftsmodell zwischen Brauer und Bauer vor. Getreu dem Motto „gelebte Regionalität ist aktiver Grundwasserschutz vor Ort“ ist es der Brauerei durch ihre konsequente Regionalvermarktung gelungen, eine win-win-Situation für alle Beteiligten zu erreichen.
Beim Endverbraucher entsteht ein Bewusstsein für regionale Produkte; gleichzeitig wird seine Bereitschaft gefördert, regional Verantwortung zu übernehmen. Analog der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ sieht sich auch die Brauerei als Impuls- und Ideengeber für die Bestreitung von neuen Wegen. Dabei geht das Regionalkonzept weit über den Einkauf von hiesiger Braugerste hinaus und umfasst vielfältige Aktivitäten wie z.B. die Bauer’s Brotzeit oder den Distelhäuser Genießermarkt.
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Das Thema „Nachwachsende Rohstoffe und Grundwasserschutz“ präsentierte Heiko Lukas vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, Würzburg. Er stellte heraus, dass eine Optimierung des Ackerbaus durch Düngeberatung die unterfränkische Grundwasserproblematik nur teilweise lösen kann; das beste Fruchtfolgeglied für Grundwasserschutz ist die Dauerbrache mit gezielter Begrünung.
Dieser Lösung wurden von Lukas der Anbau und die Nutzungsmöglichkeiten von verschiedenen Energiepflanzen entgegen gestellt und hinsichtlich ihrer Nitrat-Auswaschung und Wirtschaftlichkeit zu einer üblichen Biogaserzeugung beurteilt. Sein Fazit: alle Verfahren sind bezüglich der Schonung des Trinkwassers als deutlich kritischer anzusehen als eine begrünte Dauerbrache. Allerdings ist damit zu rechnen, dass sich mit künftigen Änderungen von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch neue Chancen für eine Biogaserzeugung auf Extensivflächen auftun.
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Analog zum Thema „Landwirtschaft und Wasserwirtschaft – gemeinsam für die Zukunft“ referierten gemeinsam Eugen Köhler vom Bayerischen Bauernverband, Geschäftsstelle Unterfranken, und Wolfgang Beck, Werksleiter Stadtwerke Karlstadt, über mögliche Kooperationsprojekte von Wasserversorgern und Landwirten. Hierzu gibt es laut Köhler verschiedene in der Praxis erprobte Modellbeispiele, denn die Zeichen stehen heute eindeutig auf Kooperation anstatt auf Konfrontation. Hierzu zählen z.B. detaillierte, abgestufte Einzelmaßnahmen, Pauschalverträge, erfolgsabhängige Verträge oder Naturalausgleich.
Die Praxis des im Rahmen der AKTION GRUNDWASSESRSCHUTZ ausgewählten Pilotprojekts Werntal wurde von Beck ausführlich erläutert. Der Nitrateintrag in dem sehr großen Wassereinzugsgebiet soll langfristig durch eine freiwillige Extensivierung der Ackernutzung gegen Ausgleich im gesamten Wassereinzugsgebiet gesenkt werden. Das ist für das Werntal die nachhaltigste und preiswerteste Lösung. Hierzu wurden die besonders auswaschungs-gefährdeten Flächen eruiert und in Bodengüteklassen mit entsprechenden Sanierungsprioritäten unterteilt. Je nach Gefährdungsklasse werden entsprechende Maßnahmen (Acker in Grünland, Dauerbrache, extensive Fruchtfolge, Zwischenfruchtanbau, DSN-Untersuchungen) durchgeführt.
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Als erreichte Zwischenziele stehen heute folgende Fakten fest: ca. 30% der als besonders gefährdeten Ackerfläche ist bereits stillgelegt und die Stickstoff-Überbilanz ungefähr halbiert; die Ackerfläche und die Anzahl an teilnehmenden Landwirten wurden stark ausgebaut (2002/2003: 19 Betriebe bei 273 ha vs. 2004/2005: 51 Betriebe bei 972 ha).
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| In der sich an die Referate anschließenden Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmern wurde optimistisch nach vorne geblickt. Man ist auf einem guten Weg, wenn es auch noch viele Hindernisse zu überwinden gilt. Die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ wird weiterhin bestrebt sein, als Pionier mit guten Beispielen voranzugehen. Der Schutz unseres Trinkwassers und seine vielfältige Vernetzung mit Landwirtschaft, Naturschutz und Arbeitsplätzen ist Vorreiter für eine nachhaltige Regionalentwicklung und für ein lebenswertes Unterfranken
– Heimat mit Zukunft. |
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