2. Jahresforum der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ
 
Projekt Werntal



 


Am 25. November 2006 fand auf der Festung Marienberg das zweite Würzburger Wasserforum unter dem Motto „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Wasserschule Unterfranken“ statt. Vor rund 100 Teilnehmern (Lehrer, Wasser-versorger, Politiker und Mitarbeiter aus der Verwaltung, Umweltverbände) hoben renommierte Referenten in ihren Beiträgen die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung hervor. Dabei wurde mit der Wasserschule ein Projekt der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ vorgestellt, das nachhaltige Entwicklung in Unterfranken konkret umsetzt.

 

 

2. Würzburger Wasserforum

In seiner Eröffnungsrede betonte Regierungs-präsident Dr. Paul Beinhofer die Verantwortung, den kommenden Generationen die Grundlage für ihre Zukunft zu sichern. Diese Verantwortung verlangt, sich die Bedeutung des Wassers für uns und für den Naturhaushalt vor Augen zu führen und unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, sorgsam mit dem Lebensmittel Nummer 1 umzugehen.

140 Liter Wasser werden für eine Tasse Kaffe benötigt, so der Regierungspräsident. Es sei zu kurz gedacht, den Wasserverbrauch nur an der Füllmenge einer Tasse zu messen. Deutlich mehr Wasser wird für alle Produktionsschritte von der Pflanze bis zum Kaffeepulver verbraucht, das wenigste davon in unserem eigenen Land. So betrachtet, importiert und verbraucht jeder Deutsche täglich rund 4.000 Liter “virtuelles” Wasser, seien es 13 Liter für eine 70-Gramm-Tomate, 2.000 Liter für ein Baumwoll-T-Shirt oder 14.000 Liter für ein Kilogramm Steak. Die Zahlen hat das Unesco Institute for Water Education in jüngster Zeit veröffentlicht.

Mit gezielter Bewusstseinsbildung versucht die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ seit Jahren das Verständnis für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu fördern. Da besonders Kinder für Umweltthemen aufgeschlossen und leicht zu begeistern sind, wurde die „Lehrerhandreichung Projekt Wasser“ in den letzten zwei Jahren an alle Grundschulen Unterfrankens herausgegeben und von den Lehrer/innen stark nachgefragt.

 

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer bei der Eröffnungsrede des zweiten Würzburger Wasserforums

Mit der jetzt startenden Wasserschule Unterfranken unterstützen wir die Schulen noch wesentlich umfangreicher, betonte Regierungs-präsident Dr. Paul Beinhofer. Ob mit einem Angebot für eine ganze Woche im Schullandheim Hobbach (Landkreis Miltenberg) oder mit Unterrichts-konzepten für eigenen Projektunter-richt, das Projekt lädt zum Mitmachen ein und hilft den Lehrkräften bei der Unterrichtsgestaltung. In den nächsten Monaten und Jahren wird das Angebot sukzessive erweitert und überarbeitet; hierbei wurden alle Verantwortlichen aufgefordert, das Angebot mit zu gestalten und damit die Wasserschule effektiv und interessant zu machen.

Mit einem gewissen Stolz blickte der Regierungspräsident auf die Aktivitäten der letzten Jahre zurück und führte als erfreuliche Wertschätzung die Auszeichnung der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ als offizielles Projekt der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Festveranstaltung am 29. November 2006 in Bonn) auf. „Die Auszeichnung ist eine Anerkennung und Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Helfen Sie mit, den Weg weiter zu beschreiten“, so der Aufruf von Dr. Beinhofer zum Schluss seines Vortrags.

 

2. Würzburger Wasserforum

Laut Dr. Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, beeinflusst unser Verhalten nicht unerheblich die Bewirtschaftung der weltweiten Wasserressourcen und das Wohl der Menschen in den meist trockenen Gebieten. Dr. Grambow bezeichnete die weltweite Wassersituation als sehr ernst. War Wasser in den Köpfen der Menschen bislang praktisch grenzenlos verfügbar, wurde auf dem Welt-Wasser-Forum in Mexiko-City im Mai 2006 eine frappierende Karte vorgelegt: die meisten der großen Grundwasserkörper haben Probleme, werden übernutzt, verunreinigt oder geben Anlass zum Streit. „Die abschließende Darstellung der weltweiten Grundwässer hat etwas Finales: Das ist es, und nicht mehr“, so Dr. Grambow. Und er machte die derzeitigen Perspektiven in einem humorvollen jedoch drastischen Bild deutlich. Sagt ein Planet zum anderen: „Mit geht es schlecht, ich bin krank, ich habe Homo Sapiens.“ Darauf tröstet der andere: „Das ist nicht schlimm, das geht weg!“

Was tun, um unsere Zukunft zu sichern? Nachhaltigkeit ist erforderlich bei der Nutzung unserer Naturressourcen, bei unserem Verhalten, bei der Bildung. Die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ ist für Dr. Grambow das kleine Licht in der Dunkelheit, das sicherlich nicht die Welt verändern kann, aber Mut macht und Vorbild ist. Das Thema Bildung steht in der inneren Agenda absolut an Nummer Eins. Wer hier ansetzt, arbeitet im definitiven Zentrum der Nachhaltigkeit und der Zukunft.

Als Quintessenz müsste die Nachhaltigkeit Lehrinhalt auf allen Schulstufen werden. Ziel: aus Berührungsängsten wird eine Selbstverständlichkeit. Im Grunde vom Kindergarten an sollte sie Teil der Lehrpläne werden. Schüler und Schülerinnen müssen in allen Schultypen mit dem Begriff konfrontiert werden und für sich Wege entdecken, wie sie mit der Nachhaltigkeit umgehen, so Dr. Grambow. Bemerkenswert dabei ist, dass Unterfranken für die Nachhaltigkeit immer wichtiger wird.


Dr. Martin Grambow

 

Die besondere Qualität der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ besteht darin, dass sie Grundwasserschutz umfassend im Sinne nachhaltiger Regionalentwicklung begreift. Sie nimmt die gemeinschaftliche Verantwortung aller ernst und schiebt sie nicht auf die Wasserversorger ab, führte Rudolf L. Schreiber, Geschäftsführer und Inhaber Pro Natur GmbH, der ersten Beratungsgruppe für ökologisch orientierte Unternehmensberatung und Umweltkommunikation, aus. Die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ hat deshalb nicht nur zum Ziel, die Trinkwasserversorgung in Unterfranken zum Wohle aller Bürger nachhaltig zu sichern, sondern auch langfristig alle in Frage kommenden Bereiche der nachhaltigen Entwicklung mit einzubinden. Hierzu gibt es auch eine enge Zusammenarbeit mit den unterfränkischen Wasserversorgern, deren Kooperationen mit Schulen im Rahmen der Wasserschule weiter ausgebaut werden sollen.

Die Wasserschule Unterfranken, die jetzt gestartet wurde, ist eine der Mut machenden Initiativen der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ, machte Schreiber deutlich. Mit vielen Ideen für einen einwöchigen Projektunterricht sowie Experimenten und Untersuchungen soll den Kindern der Zugang zum Thema “Wasser” nachhaltig erschlossen werden. Die Begeisterung der Kinder kann genutzt werden, um den richtigen Umgang mit Wasser für das ganze Leben ins Bewusstsein zu bringen.

Wasser fasziniert, Wasser macht Spaß, Wasser ist Lebensmittel und Lebensraum. Die Wasserschule Unterfranken ist eine bislang in Bayern und über die bayerischen Grenzen hinaus einmalige Einrichtung. Rudolf L. Schreiber appellierte: „Gehen wir in Unterfranken mit gutem Beispiel voran. Beginnen wir zu zeigen, was die Welt braucht: Regionen für eine nachhaltige Entwicklung“.

Die Wasserschule Unterfranken stellt den Lehrern in den nächsten Monaten eine Reihe von Hilfsmitteln zur Verfügung. Eine auf die Projektwoche bezogene Wasserfibel wird ab Ende Januar den Wasserschülern Informations-broschüre und Arbeitsheft gleichermaßen sein. Zusätzlich werden weitere didaktische Mittel ausgearbeitet, die den Projektunterricht ergänzen, fasste Schreiber zusammen.

 

Rudolf L. Schreiber, Pro Natur

 

 

Das Programm des Würzburger Wasserforums bereicherte Manfred Tischitz aus der „WasserKünstlerstadt“ Gmünd in Kärnten. Als Musikpädagoge und Initiator der „Wasserwelt des Staunens“ im Pankratium Gmünd zeigte er, wie viel Faszination von Wasser ausgeht und wie diese Faszination Kindern und Erwachsenen vermittelt werden kann. Sei es Musik, die mit Wasser gemacht werden kann, seien es Bilder, die Wasser zeichnet, wenn es durch Töne in Schwingungen gebracht wird. Der Besuch des Pankratiums ist empfehlenswert, zum Besichtigen und selbst Ausprobieren. Eine Kostprobe konnten die Teilnehmer mit Klangschalen erleben - nur durch das Reiben der Griffe singen Bronzeschalen in lauten Tönen und das Wasser fängt an zu spritzen.

 

Manfred Tischitz, Pankratium Gmünd

Nach der Mittagspause wurde der zweite Teil des Forums durch die Einspielung von Kinderaus-sagen aus dem Schullandheim Hobbach zum Thema „Wasser“ eingeleitet. Das Publikum bekam einen Einblick in die Sichtweise der Kinder und war erstaunt über die doch sehr realitätsnahen Ansichten, die Kinder in jungen Jahren schon auszeichnen.

 

 

 

 

Kinder im Schullandheim Hobbach

Diese Begeisterung der Kinder zum Thema „Wasser“ wurde in dem Vortrag von Rudolf Gampl, Vorsitzender des Schullandheimwerkes Unterfranken, aufgegriffen. Unter dem Titel „Nachhaltige Bildung durch fächerübergreifendes Lernen, dargestellt an der Projektwoche Wasser“, führte er aus, wie neue Unterrichtsformen im Wochenplan in Hobbach umgesetzt werden können.

Die Ergebnisse der Lernpsychologie legen - ergänzend zum Lehrerzentrierten Unterricht - Lernarrangements nahe, die Lernen ermöglichen und bei denen Schülerinnen und Schüler die "Hauptakteure" sind. Das Schullandheim bietet sich dabei als Erprobungsort für fächerüber-greifendes Lernen und die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen zum Thema „Wasser“ an, so Gampl. Das Ziel einer nachhaltigen Bildung wird hier mit einem Erziehungs- und Bildungsauftrag erreicht, der sowohl Kopf, Herz und Hand der Kinder erreicht.

 

Rudolf Gampl, Vorsitzender des Schullandheimwerkes Unterfranken

 

Die „Vorlage“ der Ausführungen von Rudolf Gampl wurde anschließend von Hermann Bürgin, Leiter des Roland-Eller-Umweltzentrums im Schullandheim Hobbach, gerne aufgegriffen und weiter spezifiziert. Bürgin führte engagiert vor, wie der Unterricht in der stationären Wasserschule Hobbach lebendig gestaltet werden kann. Folgende Module werden in der Wasserwoche angeboten: Wasser als faszinierendes Element, Fließgewässer, Wasserkreislauf, Wasserversorgung und Grundwasserschutz sowie Abwasserentsorgung.

Bei allen Themen steht immer im Mittelpunkt, dass der Unterricht sich an den Interessen der Kinder orientiert und hauptsächlich im Freien stattfindet. Selbst im Winter begeistern sich die Kinder für Wasseruntersuchungen am Bach und für den Unterricht in der Natur, klärte Bürgin das Publikum auf. Hobbach bietet dazu beste Voraussetzungen, da sich das Schullandheim mitten im Spessart befindet und von der Elsava umflossen wird. Gerade in dieser Woche fanden in Hobbach Lehrerschulungen statt, bei denen über die Gestaltung der Projektwoche ausführlich informiert wurde.


Hermann Bürgin, Leiter des Roland-Eller-Umweltzentrums im Schullandheim Hobbach

 

Im Rahmen der Wasserschule Unterfranken sollen mittelfristig auch internationale Kooperationsprojekte für nachhaltige Entwicklung angestoßen werden, betonte Dr. Dieter Aufderhaar, Leiter des Bereichs Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz bei der Regierung von Unterfranken, in seiner Funktion als Moderator des Wasserforums. Zum Beispiel kann durch ein Schulprojekt oder eine Schulpartnerschaft mit einer wasserarmen Region ein wesentlicher Beitrag zur Bewusstseinsbildung über den Wert von Wasser geleistet werde.

 

 

 

Dr. Dieter Aufderhaar, Leiter des Bereichs Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz bei der Regierung von Unterfranken

Hierzu stellten Syprine und Martin Spatz aus Mespelbrunn als Initiatoren des Schulprojekts Kiungani (Kenia) ihr Projekt vor. Ziel ist es, die Lebens- und Lernbedingungen in der Dorfschule von Kiungani mit ca. 650 Kindern verbessern. Hierfür konnten dank Spenden, die zum großen Teil durch Schulfeste gesammelt wurden, bis heute mehrere konkrete Maßnahmen durchgeführt werden: Über die Errichtung eines Brunnens mit einer manuellen Wasserpumpe auf dem Grundstück der Schule (die nächste Wasserstelle ist über 3 km entfernt), bis hin zum Bau von Schulbänken und -tischen sowie der Anschaffung von Stoffen zum Herstellen der benötigten Schuluniformen.

 

Martin Spatz, Initiatoren des Schulprojekts Kiungani (Kenia)
Ein Projekt, das Mut macht und Anregung für weitere Initiativen geben soll, bemerkte Dr. Aufderhaar in seiner Überleitung zum letzten Programmpunkt der Veranstaltung, der abschließenden offenen Diskussion. Hier wurde von allen Seiten das Projekt der Wasserschule als positiv und beispielhaft herausgestellt. Es herrschte Einigkeit darüber, dass mit diesem Ansatz keine sofortige Antwort auf alle Fragen zum Grundwasserschutz geliefert werden kann; mittel- und langfristig wird jedoch die Wasserschule zu einem wesentlichen Baustein zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Unterfranken reifen. 2. Würzburger Wasserforum, offene Diskussion