3. Jahresforum der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ
 
Projekt Werntal



 


Das diesjährige Wasserforum fand am 27. November 2007 wieder auf der atmosphärischen Festung Marienberg zu Würzburg statt. Ein gut besuchtes Forum, das auf ein aktuell stark diskutiertes Thema „Ökologischer Landbau in Unterfranken- Chance für Landwirt und Grundwasser“ Bezug nahm. Zahlreiche Referenten aus Landwirtschaft, Handel und verarbeitendem Gewerbe nahmen zur Stärkung des regionalen Ökologischen Landbaus Stellung, und bereiteten den 180 Teilnehmern ein informatives und diskussionswürdiges Programm.

 

Würzburger Wasserforum 2007
Bauern gesucht: Das diesjährige Wasserforum richtete sich mit der Kampagne für ökologischen Landbau primär an umstellungsinteressierte Landwirte

Der Ökologische Landbau als Alternative für viele, wenn auch nicht alle Landwirte in Unterfranken und zugleich Chance für die Verbesserung unseres Grundwassers, so bewertete Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die Initiative „Grundwasserschutz durch Ökologischen Landbau“. Eingeladen waren insbesondere Landwirte und Verarbeiter als wichtige Partner der Kampagne, die die Regierung von Unterfranken 2008 zunächst in den Landkreisen Main-Spessart und Rhön-Grabfeld startet. Sie wird später auf ganz Unterfranken ausgeweitet. Als neuer Schwerpunkt der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ – Trinkwasser für Unterfranken ist das Anliegen klar: beim Ökologischen Landbau wird im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft weniger Stickstoff ausgewaschen und auf den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel vollständig verzichtet. Das tut den sensiblen Grundwasservorräten in Unterfranken gut.

 

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer bei seiner Eröffnungsrede

Doch die Orientierung zu mehr Regionalität und mehr ökologischer Bodenbewirtschaftung hat noch einen weitaus größeren Nutzen. Dr. Beinhofer machte es deutlich: „Der weltweite Wasserkreislauf verbindet die Länder der Erde. Über diesen Wasserkreislauf beeinflussen wir mit unseren Kauf- und Essgewohnheiten die Lebenssituation auch in anderen Ländern. Der Kreislauf gibt uns Verantwortung – für andere Länder aber auch für unsere eigene Heimat“. Jeder Konsument entscheidet über sein Kaufverhalten, welchen Beitrag er leistet. Ist der Trend zu Bio-global tatsächlich wünschenswert? Sind die bei uns angebotenen Bio-Äpfel aus dem 28.000 Kilometer entfernten Neuseeland gesamtökologisch die erste Wahl? Unterfranken selbst liefert doch beste Qualität.

 

Würzburger Wasserforum 2007
Zahlreiche Teilnehmer aus Landwirtschaft, Gewerbe, Handel, Politik und Verwaltung waren vertreten

So wie Dietmar May, Öko-Bauer aus Junkershausen, dieser betonte: „Mit dem Preis des Lebensmittels bewerte ich die Schöpfung“. Die Ressourcen der Erde sind uns nur geliehen, deshalb sind nachhaltige Lebens- und Arbeitsweisen so wichtig. Das ist für den Landwirt nicht immer einfach, der Öko-Bauer wird von der Natur erzogen. Aber für seine verantwortungsvolle Arbeit erhält er auch Anerkennung, vom Kunden für gesunde Lebensmittel und von seinen glücklichen Tieren für die artgerechte und respektvolle Haltung. May rief zum Mut für die Umstellung auf Ökologischen Landbau auf. „Er ist für unternehmenslustige, fleißige und mutige Leute sehr zu empfehlen“.

 

Dietmar May
„Mit Mut und Liebe Bauer sein!“, Dietmar May beim Interview

Manfred Weller, selbst Landwirt und Bioland-Berater, unterstrich die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit im Ökologischen Landbau. Der Boden benötige Zeit für die Umstellung. Der Ökobauer müsse geduldig sein und einen etwas höheren Arbeitsaufwand in Kauf nehmen. Zusätzlich machte Weller den Landwirten Mut, er bekräftigte: „Im Ökologischen Landbau gibt es für jedes Problem ein kreative Lösung“.

Manfred Weller
Manfred Weller spricht zum Thema Bodenfruchtbarkeit

 

Stefan Köhler, stellvertretender Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Unterfranken, berichtete, dass sich der Stellenwert des Landwirts in der Öffentlichkeit gewandelt habe. Einer Umfrage zufolge stehe der Beruf Landwirt in der Reihe der wichtigsten Berufe in der Gesellschaft mittlerweile an dritter Stelle, nach Ärzten und Lehrern. Dazu dürften auch die spürbaren Auswirkungen des Weltmarktes auf die Lebensmittelpreise geführt haben. Beispielsweise reichen die weltweiten Getreidevorräte nur für 50 Tage, so dass Missernten oder hoher Bedarf in einzelnen Ländern schnell am Geldbeutel zu spüren seien. Und Köhler wies darauf hin, dass durch die Bewirtschaftung der Flächen ein grundsätzlicher Beitrag für die Grundwasserneubildung geleistet werde. Nach Untersuchungen des Institutes für Bodenkunde, Kiel, würden unter einem Hektar Ackerland rund eine Million Liter mehr an Grundwasser gebildet als unter Wald.

 

Stefan Köhler
Auch der Bauernverband unterstützt die Initiative, hier referiert Stefan Köhler

Dass Unterfranken beim Ökologischen Landbau sowohl in Deutschland als auch im Vergleich zu anderen Ländern hinterherhinkt, verdeutlichte Bernhard Schwab, Berater für den Ökologischen Landbau in Ober- und Unterfranken und zentraler Koordinator der Initiative „Grundwasserschutz durch Ökolandbau“. Während in Österreich der Anteil an ökologisch bewirtschafteter Flächen bei 12 %, in der Schweiz bei 10 % und in Deutschland bei 6 % liege, seien es in Unterfranken knapp 3 % der Fläche. Der Grund liegt in der einfacheren Umstellung von Flächen, die für die Milchwirtschaft genutzt werden. Unterfranken ist aufgrund seiner klimatischen Bedingungen aber ein klassisches Ackerbaugebiet. Hier ist die Umstellung schwieriger und mit höheren Risiken verbunden.

Bernhard Schwab
Bernhard Schwab, engagierter Kopf der Initiative, macht die Bedeutung und Wirtschaftlichkeit des ökologischen Landbaus deutlich

 

Die Mittagspause der Veranstaltung gab den Teilnehmern die Möglichkeit, sich bei einem kurzen Imbiss aus ökologischem und regionalem Anbau zu stärken, über die Problematik des Themas zu diskutieren oder neue Kontakte zu knüpfen.

Würzburger Wasserforum 2007
Verstärkung und Unterhaltung während der Mittagspause

 

Sven Euen von tegut und Jörg Große-Lochtmann von der Marktgesellschaft mbH der Naturland Betriebe machten aber deutlich, dass der Markt dringend mehr Bioware benötige. Die Nachfrage sei so groß wie nie zuvor. Doch nur, wenn sie in der heimischen Region angebaut wird, bringt sie für uns auch einen echten Nutzen. So ist die Zeit reif, über eine Umstellung nachzudenken und jetzt zu handeln. Die Referenten sagten Unterstützung für die Kampagne der Regierung von Unterfranken zu und resümierten: „Wir brauchen mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen“. Das unterstrich auch Siegfried Stocker, Inhaber der Hofpfisterei GmbH, denn auch der Handel hat einen hohen Bedarf an Waren aus ökologischem Anbau.

 

 

 

Die Initiative „Grundwasserschutz durch Ökologischen Landbau“ will den Landwirten helfen bei der Entscheidung, ob eine Umstellung Ihres Betriebes zweckmäßig und wirtschaftlich vertretbar ist. Dr. Robert Hermanowski vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Frankfurt, und im Auftrag der Regierung von Unterfranken eng in die Initiative eingebunden, skizzierte die Vorgehensweise: seit September werden in Workshops mit Landwirten, Verbänden und Verwaltung die Umstellungshemmnisse erörtert und Wege gesucht, die zu einem höheren Anteil an Ökologischem Landbau führen können. Aus den Ergebnissen wird Anfang 2008 ein Programm zur Vermarktungsförderung, zur Beratung der Landwirte und zur Öffentlichkeitsarbeit erstellt. Ziel ist, Partner aus Landwirtschaft, Gewerbe und Handel zusammenzubringen und so den unterfränkischen Biomarkt gemeinsam weiter auszubauen.

 

Dr. Robert Hermanowski
Dr. Robert Hermanowski (FIBL), strategischer Kopf der Kampagne, nahm Stellung zur Umsetzung und Vorgehensweise des Projektes „Grundwasserschutz durch Ökologischen Landbau“

Zum Abschluss des Würzburger Wasserforums motivierte Rudolf Schreiber, Geschäftsführer des 1974 gegründeten Frankfurter Büros Pro Natur für Unternehmensberatung und Umweltkom-munikation, die Teilnehmer zu einer aktiven Beteiligung. Schreiber, Gründungsvorstand Bund für Umwelt und Naturschutz, u.a. ausgezeichnet mit der Bayerischen Naturschutzmedaille und Öko-Manager des Jahres 1999, ist seit 1995 für die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung tätig und „Geistiger Kopf“ der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ – Trinkwasser für Unterfranken. Er stellte fest, dass 90 % der Bevölkerung Waren aus der Region bevorzugten und 50 % bereit seien, dafür auch etwas mehr zu bezahlen.

Rudolf L. Schreiber trat als letzter Referent auf, und machte Mut für eine Heimat mit Zukunft in Unterfranken

 

„Regionalität spielt eine entscheidende Rolle und sie ist die echte Alternative zur anonymisierten, globalisierten, industrialisierten Lebensmittel- und Supermarkt-Wirtschaft. Für den qualitativen Ökologischen Landbau geht es um Zukunfts-sicherung, Nachhaltigkeit, Kulturlandschaft und Heimat. Im Notstandsfall, einer Energiekrise, Klimakrise oder gar Rohstoffkriege in fernen Regionen, wird die Versorgung mit Nahrungs-mitteln kritisch“, so Schreiber. Und er hoffte abschließend, dass der Spruch von Karl Valentin nicht zutrifft: „Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut!“, sondern dass Unterfranken eine Vorreiterrolle bei der Orientierung hin zu mehr Regionalität und Nachhaltigkeit einnimmt.

 

Köhler, Weller, Stocker, Schwab, Hermanowski, Schreiber, May, Euen, Große-Lochtmann
Die Referenten bei der Podiumsdiskussion (v. l.): Köhler, Weller, Stocker, Schwab, Hermanowski, Schreiber, May, Euen, Große-Lochtmann
Im Anschluss an die Referate führte Dr. Dieter Aufderhaar, Leiter des Bereichs Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz an der Regierung von Unterfranken, durch die rege und immer noch gut besetzte Podiumsdiskussion. Die sicherlich kritischen, aber dennoch positiven Beiträge der Landwirte lassen erwarten, dass durch eine Ausweitung des ökologischen Landbaus in Unterfranken tatsächlich etwas bewegt werden kann – auch zu Gunsten des Grundwassers. Dr. Aufderhaar
Charmant und mit Sachkenntnis moderierte Dr. Aufderhaar durch das diesjährige Forum