4. Würzburger Wasserforum der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ
 
Projekt Werntal



 


Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit stand das
4. Würzburger Wasserforum der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ am 14. November. Unter dem Titel „Partner gesucht! Vom Grundwasserschutz zur nachhaltigen Regionalentwicklung“ begrüßte Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer die Gäste auf der Festung Marienberg. Der Einladung, die sich gezielt an Vertreter von Wasserversorgungsunternehmen und Kommunen, von Handel, Handwerk und Verarbeitungsbetrieben, von Schulen, dem unterfränkischen Schullandheimwerk, aus der Landwirtschaft sowie von Behörden und Verbänden, der Universität Würzburg und kirchliche Einrichtungen richtete, folgten über 130 Gäste.

Blick auf Zuhörer
Auch beim diesjährigen Würzburger Wasserforum wurde ein vielseitiges und eindrucksvolles Programm geboten.

In seiner Eröffnungsrede machte Regierungspräsident Dr. Beinhofer deutlich, dass die die nachhaltige Regionalentwicklung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, der man sich in Unterfranken stelle. Ein Paradebeispiel ist dabei sicherlich die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ, die hierfür weitere Partner sucht. Trinkwasser aus sauberem Grundwasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage. Neben technischen Maßnahmen erfordert dies aber eben auch ein vernetztes Denken und Handeln. Und genau hierfür sterbt die Aktion verschiedene regionale Kooperationen an: für Aufklärung und Bildung, für eine nachhaltige Landwirtschaft, für einen Wandel durch bewusstes Einkaufen.

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer
Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer bei seiner Begrüßungsrede.

In seiner ersten offiziellen Rede in neuer Funktion als Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit stellte Dr. Markus Söder den bayerischen Weg für eine nachhaltige Zukunft vor. Wasser bezeichnete der Minister als ein zentrales Thema seines Ministeriums, das die Gratwanderung zwischen Wirtschaftlichkeit und Erhalt des Naturhaushalts meistern müsse. Denn die Folgen des Klimawandels werden diejenigen der aktuellen Finanzkrise weit in den Schatten stellen. Mit der Aktion sei man in Unterfranken auf dem richtigen Weg, was sich auch an der zweifachen Auszeichnung als Dekadeprojekt der Vereinten Nationen zeige. Hier ist ein Kompetenzzentrum entstanden, an dessen Zielen sich möglichst viele gesellschaftliche Gruppen und Bürger aktiv beteiligten sollten, so Dr. Markus Söder.

Staatsminister Dr. Markus Söder
Staatsminister Dr. Markus Söder lobte die vielseitigen Aktivitäten in Unterfranken.

Ein Höhepunkt des Wasserforums war der Vortrag von Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher, promovierter Mathematiker des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverwertung der Universität Ulm, unter dem Titel: Zukunftsgestaltung und Ressourcenknappheit – welche Herausforderungen liegen vor uns? Als Mitglied des Club of Rome und einer der geistigen Väter der „Global Marshall Plan Initiative“, die globale Lösungsmöglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz propagiert, kritisierte er die primär immer noch nationalen politischen Strukturen. Aus „rein mathematischen Blickwinkel halte die Erde zur Not mehr Arme aus; aber nicht mehr Reiche, nicht mehr Menschen, die in ressourcenintensive Lebensstile hineinwachsen“, so Prof. Radermacher. Wegen fehlender internationaler Standards und durchsetzbarer Regulierungsvereinbarungen werde es künftig „eng hinsichtlich Wasser und Ernährung.“ Durch „kollektive Vernunft, durch eine Art Weltinnenpolitik mit weltdemokratischen Charakter“ sei jedoch ein Kollaps zu vermeiden.

Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher
Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher erläuterte mit drastischen Worten die Kluft zwischen Arm und Reich.

Unter dem Motto „Wandlung durch Bildung – die Voraussetzungen für Nachhaltigkeit“ stellte Klaus Hübner Beispiele für innovative Bildungsarbeit vor. In seiner Funktion als Referatsleiter Umweltbildung beim Landesbund für Vogelschutz und als Mitglied des Nationalkomitees der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ präsentierte Hübner Mut machende Beispiele, wie jeder Einzelne befähigt wird, in seiner Umgebung nachhaltig aktiv zu sein. Die Basis dazu sei sehr früh zu legen; am besten bereits im Kindergarten, wo gezielt Gestaltungskompetenz vermittelt werden kann. Hier sieht Klaus Hübner eine generelle Notwendigkeit für einen Wandel im Bildungsverständnis; die gesamte Gesellschaft müsse am Bildungsprozess beteiligt sein. Es gilt, eine Verbindung von Wissen und Werten zu schaffen; dafür könne die Bildung nur den Boden bereiten.

Klaus Hübner
Klaus Hübner appellierte daran, den Kindern Wissen und Werte zu vermitteln.

Wie Ressourcen nachhaltig zu bewirtschaften sind, stellte Michael Haug, Ministerialrat vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, am Beispiel Wasser heraus. Dies hat in Bayern schon länger Tradition, da die Menge an Wasser nicht geschmälert wird, denn „Wasser wird nicht verbraucht, sondern wir gebrauchen es nur“, so Michael Haug. Von daher sei es unbedingt erforderlich, weder Raubbau an der Menge unseres Lebensmittels Nr. 1 zu betreiben, noch eine Überforderung der natürlichen Reinigungsprozesse zuzulassen. Es gilt, einen intakten Wasserkreislauf zu wahren; im Großen wie im Kleinen, lokal in Unterfranken und Bayern ebenso wie global. Die Aktion beschreitet hier erfolgreich neue Wege - gerade auch durch ihre gesellschaftlichen Vernetzungen, wie Michael Haug ausführte.

Michael Haug
Michael Haug betonte die Verantwortung jedes Einzelnen zum Thema Wasser.

„Nachhaltige Landwirtschaft – Grundvoraussetzung für regionale Wirtschaftskreisläufe“ lautet das Thema des Vortrags von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein. Als Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft erinnerte er daran, dass früher die Wirtschaftskreisläufe primär innerhalb der Dörfer stattfanden. Auch wenn wir uns heute im Zeitalter des world-wide-web befinden und die Globalisierung nicht aufzuhalten sei, zeige es sich, dass auch in einer globalisierten Welt nicht alles grenzenlos möglich sei. Nach Ansicht von Prinz zu Löwenstein müsse es unser Ziel sein, eine unsere Ressourcen schonende Wirtschaft der kleinen Wege zu verstärken. Dabei sei es notwendig, auch in einer globalisierten Welt regionale Wirtschaftskreisläufe zu erhalten, zu verstärken oder wieder in Gang zu bringen. Dabei bietet sich natürlich die Landwirtschaft an; nur eine nachhaltige Landwirtschaft könne ihrer Rolle in der Fläche gerecht werden.
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein warb für mehr regionale Wirtschaftskreisläufe.
In ihrem Vortrag referierte Gitta H. Geue zum Thema „Nachhaltiger Konsum – Verantwortung an der Ladentheke“. Die Referentin der Verbraucherzentrale Bayern e.V. stellte heraus, dass das Thema zwar durchaus im Bewusstsein der Verbraucher ist, aber die Umsetzung sich mitunter schwierig gestalte. In der Regel zeigt sich nur dann Interesse an ökologisch orientierten Produkten, wenn damit der eigene Nutzen optimiert werden könne. Eine angemessene Honorierung solcher Produkte sei äußerst schwierig, so Frau Geue. Die Verbraucherbildung sei ein künftiges Handlungsfeld, das besetzt werden müsse. Neben der allgemeinen Werteorientierung der Verbraucher sind verlässliche Informationen zu Produkten und deren Produktionsprozessen notwendig und damit einhergehend auch veränderte politische Rahmenbedingungen. Ihr Fazit: „Gut zu leben ist nicht gleichzusetzen mit viel zu haben. Das ist ein Ziel der nachhaltigen Werteorientierung.“
Gitta H. Geue
Gitta H. Geue forderte mehr Transparenz bei der Produktion von Waren.
Im Anschluss an die Referate führte Dr. Dieter Aufderhaar, Leiter des Bereichs Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz an der Regierung von Unterfranken, durch die Podiumsdiskussion, welche unter dem Motto „Partner gesucht – Schrittmacher für nachhaltige Regionalentwicklung“. Hier gab es für die Gäste die Möglichkeit, noch einmal gezielte Nachfragen zu stellen sowie weitere Stellungnahmen der Referenten, wie potentielle Partner sich in die Aktion einbringen können. Einige Teilnehmer nutzen sogleich die Möglichkeit, sich als Partner der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ anzubieten. Wer dies bei dieser Gelegenheit versäumte, hat selbstverständlich die Möglichkeit, dies jederzeit nachzuholen. Denn eines wurde beim Wasserforum deutlich: eine nachhaltige Entwicklung in Unterfranken ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sich nur durch die Einbindung vieler starker Partner erreichen lässt und nicht „von oben“ aufgezwungen werden kann.

Einen ausführlichen Bericht über die Beiträge der einzelnen Referenten erhalten Sie hier.

Die Referenten
Die Referenten bei der Podiumsdiskussion.