Heute schon an morgen denken: Wasserversorgungsbilanz Unterfranken 2025
Mit dem Blick in die Zukunft beschäftigte sich das 5. Würzburger Wasserforum der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ am 13. November. Wie sicher ist die öffentliche Trinkwasserversorgung in Unterfranken – heute und morgen? Welche Entwicklungen beim natürlichen Dargebot und dem künftigen Bedarf sind zu erwarten? Wie ist es um die Versorgungssicherheit bestellt, wenn eine Gewinnungsanlage ausfällt? Welche Auswirkungen des Klimawandels können abgeschätzt werden? Die Wasserversorgungs-bilanz Unterfranken 2025, die die Regierung von Unterfranken in den letzten beiden Jahren erstellt hat, nimmt sich dieser Fragen an. Über 100 Gästen – in der deutlichen Mehrheit die unterfränkischen Wasserversorgungs-unternehmer – kamen auf der Festung Marienberg zusammen, um erstmalig über die Ergebnisse der Wasserversorgungsbilanz informiert zu werden.
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Am 5. Würzburger Wasserforum nahmen zumeist Vertreter von Wasserversorgungsunternehmen teil.
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In seiner Eröffnungsrede dankte Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer zunächst den Wasserversorgern für ihr großes Engagement, die Bürger in Unterfranken mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen. Die Trinkwasserversorgung in Unterfranken ist heute gut aufgestellt und Beanstandungen oder Defizite bei der Bereitstellung von ausreichendem, sauberem Trinkwasser gibt es kaum. Doch dafür sind höhere Anstrengungen zu erbringen als in vielen anderen Regionen Bayerns, machte der Regierungspräsident deutlich. Denn die naturgegebenen Randbedingungen in Unterfranken sind ungünstig: geringe Niederschläge, Untergrund aus Festgestein mit geringer Filter- und Speicherwirkung sowie zumeist nur dünne Bodenschichten. Die Folgen sind messbar: Zwölf Prozent des Grundwassers überschreiten den Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l nach der Trinkwasserverordnung. Eintrübungen und mögliche mikrobiologische Belastungen erfordern zusätzlich, dass rund zwei Drittel des gewonnenen Wassers aufbereitet werden muss.
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Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer: Auch wenn heute die öffentliche Trinkwasserversorgung in Unterfranken gut aufgestellt ist, sei es geboten, in einer Gesamtschau die heutige und zukünftige Situation zu überprüfen.
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Die Wasserversorgungsbilanz ist neben vielen anderen Aktivitäten ein weiterer Baustein, in dieser Situation Vorsorge zu treffen, betonte Heribert Januszewski in seiner Funktion als Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken, und erläuterte die Vorgehensweise. Finanziert mit staatlichen Mitteln beauftragte die Regierung das Büro BGS Umwelt aus Darmstadt, das bereits in anderen Gebieten ähnliche Untersuchungen mit großem Erfolg durchführte. In enger Zusammenarbeit mit den Wasserwirtschaftsämtern Aschaffenburg und Bad Kissingen sowie dem Bayerischen Landesamt für Umwelt führten viele Arbeitsgespräche und der intensive fachliche Austausch jetzt zu den vorläufigen Ergebnissen. Herr Januszewski forderte die insgesamt 325 unterfränkischen Wasserversorgungs-unternehmen auf, diese Ergebnisse im Rahmen eines internen Anhörungsverfahrens von Dezember bis Februar mit den Wasserwirt-schaftsämtern zu diskutieren, bevor sie in gedruckter Form herausgegeben werden.
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Heribert Januszewski, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft der Regierung von Unterfranken, stellte die Zielsetzung und die Vorgehensweise der Wasserversorgungsbilanz Unterfranken vor.
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Anschließend wurden die Kernaussagen der Wasserversorgungsbilanz durch das Büro BGS Umwelt vorgestellt. Danach ist mit einer Abnahme der Bevölkerung in Unterfranken bis zum Jahr 2025 von im Mittel 3% zu rechnen, wobei regional deutliche Unterschiede auftreten werden. In strukturschwachen Kommunen muss mit einem Rückgang von bis zu 17% gerechnet werden. Dementsprechend rückläufig wird sich auch der Wasserbedarf entwickeln. Liegt er heute noch bei rund 83 Millionen Kubikmetern, ist im Mittel eine Abnahme von ca. 3% zu prognostizieren.
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Dr. Markus Kämpf, Büro BGS Umwelt, erläuterte die Erhebungsmethoden der Wasserversorgungsbilanz Unterfranken.
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Auch wenn der Wasserbedarf im Jahresmittel im Wesentlichen gedeckt ist, so können in ausgeprägten Trockenphasen verringerte Quellschüttungen bei einzelnen Wasserversorgern zu Defiziten beim Tagesspitzenbedarf führen. Hier kann ein überörtlicher Zusammenschluss von Versorgungsgebieten eine Verbesserung schaffen. Hinsichtlich der Frage der Versorgungssicherheit, also des zweiten Standbeines beim Ausfall einer Gewinnungsanlage, gibt es bei einer Reihe von Versorgungsgebieten Defizite, die durch Erschließung neuer Wasservorkommen und regionale Verbünde behoben werden können. Die Lieferung von Wasser aus Südbayern nach Unterfranken über die Fernwasserversorgungs-unternehmen hat auch in Zukunft für die Region 2 im Raum Würzburg nach wie vor eine hohe Bedeutung. Die Belastung des Grundwassers kann durch eine geänderte Flächenbewirt-schaftung, insbesondere durch Kooperationen von Wasserversorgern mit Landwirten, messbar verbessert werden. Unterfranken muss dennoch auch in Zukunft mit qualitativen Problemen leben.
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Präsentation der Ergebnisse der Wasserversorgungsbilanz durch Manfred Forst, BGS Umwelt.
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Der prognostizierte Klimawandel kann insbesondere in Gebieten mit einem hohen Anteil an Quellwasser bis 2025 verstärkt zu Versorgungsengpässen führen. Im Mittel ist jedoch nur ein moderater Einfluss auf die Wasserversorgung zu erwarten. Zur Deckung des Wasserbedarfs in Unterfranken sind grundsätzlich auch künftig noch ausreichende Dargebots-reserven vorhanden. Wichtig ist jedoch, dass die Wasserversorgungsunternehmen in Zukunft verstärkt ein Augenmerk auf die Entwicklung legen und rechtzeitig Vorsorge treffen, machte BGS Umwelt deutlich.
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Dr. Heiko Gerdes vom Büro BGS Umwelt fasste die wichtigsten Aspekte zusammen und gab einen Ausblick in die Zukunft.
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Diese Aussagen bestätigte auch Prof. Dr. Heiko Paeth, Klimatologe am Institut für Geografie der Universität Würzburg, in seinem Vortrag. Die Auswirkungen des Klimawandels werden bis zum Jahr 2025 zunächst moderat spürbar sein, danach werden die Folgen gravierender. Welche Folgen heute prognostiziert werden, hängt wesentlich von den verwendeten Vorhersagemodellen ab, die zwar ähnliche, aber hinsichtlich der Intensität durchaus unterschiedliche Auswirkungen ermitteln.
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Prof. Dr. Heiko Paeth, Klimatologe am Institut für Geografie der Universität Würzburg. |
Prof. Paeth bezog sich auf mittlere Modellergebnisse, die aufhorchen lassen. Danach kann die Anzahl der heißen Tage über 30 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts in Unterfranken von derzeit 30 auf über 150 Tage ansteigen. Unterfranken bezeichnete er dabei als „Hotspot“. Während seit Beginn der Globalisierung vor 150 Jahren der globale Temperaturanstieg bei 0,8 Grad liegt, werden in Unterfranken 2 Grad gemessen. Im Sommer ist hier bis 2099 ein Temperaturanstieg von 4,9 Grad möglich – jeweils ein mittleres Szenario zu Grunde gelegt. Ein Rückblick auf die Niederschlagsentwicklung lässt nach Paeth keine Anhaltspunkte erkennen, dass die Starkniederschläge in Unterfranken mit über 35 Millimeter Niederschlag pro Tag bislang zugenommen hätten. Für die Zukunft ergeben die Klimamodelle dagegen eine Zunahme im Winterhalbjahr und eine Abnahme der Niederschläge in den schon jetzt trockenen Sommermonaten. Prof. Paeth forderte die Zuhörer dazu auf, die Warnungen erst zu nehmen und die Aktivitäten der Wasserwirtschaft schon jetzt an mögliche klimatische Veränderungen auszurichten.
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Nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung steht heute fest, dass der Mensch zu 90% die globale Erwärmung zu verantworten hat, so Prof. Paeth in seinem Vortrag. |
| In seiner Funktion als Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt gab abschließend Dr. Richard Fackler einen Überblick über die Vorsorgestrategie, die der Freistaat Bayern beim Thema Klimawandel verfolgt. Das "Klimaprogramm Bayern 2020" ist dabei ein konkretes, auf Bayern zugeschnittenes Maßnahmenpaket, um an den Hauptursachen des Klimawandels gezielt anzugreifen. Das Programm setzt dabei auf die Handlungsbereiche Reduktion, Anpassung und Forschung. Ziele wie die Verringerung der CO 2-Emissionen auf deutlich unter sechs Tonnen je Einwohner, die Steigerung der Energieproduktivität um 30% oder die Verdoppelung des Anteils an erneuerbarer Energie auf 20% stehen gleichermaßen auf dem Programm wie beispielsweise die bestmögliche Anpassung aller klimasensitiver und verwundbarer Bereiche an die Folgen des Klimawandels. Mit der Wasserversorgungsbilanz Unterfranken wurde Bayernweit erstmalig eine Grundlage geschaffen, auf die sich die künftigen Aktivitäten bei der öffentlichen Trinkwasserversorgung auch in Anbetracht des Klimawandels stützen können – ein wichtiger Beitrag zur Vorsorge und zur nachhaltigen Entwicklung in Unterfranken, so Dr. Richard Fackler. |

Klimawandel, Wasserhaushalt und Wasserversorgung – wie der Freistaat Bayern Vorsorge trifft, erläuterte Dr. Richard Fackler. |