Vom Grundwasserschutz zur nachhaltigen Regionalentwicklung 

Zum 7. Wasserforum Unterfranken unter dem Motto „10 Jahre AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ“ lud die Regierung von Unterfranken am 27.06.2011 in die Neubaukirche zu Würzburg ein. Ziel der Festveranstaltung war es, die Erfolg versprechenden Ansätze aus den 10 Jahren der Aktion zum nachhaltigen Umgang mit Wasser vorzustellen und Perspektiven für Unterfranken und Bayern aufzuzeigen.

Über 300 Gäste, darunter Kommunalpolitiker, Behördenmitarbeiter, Umweltaktivisten, Schüler, Studenten und interessierte Bürger folgten der Einladung der Regierung von Unterfranken zum diesjährigen Wasserforum, das erstmals in der Neubaukirche stattfand. Mit Frau Dr. Vandana Shiva, indische Physikerin, Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises von 1993, konnte eine hochkarätige und kompetente Gastrednerin für die Jubiläumsveranstaltung gewonnen werden.

In seiner Eröffnungsrede stellte Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer den Grundwasserschutz als Basis für eine nachhaltige Entwicklung Unterfrankens heraus. Neben der Wassersituation in Unterfranken und den Projekten der AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ öffnete Dr. Beinhofer jedoch auch auf die weltweite Wassersituation. „Denn letztlich sind wir alle Teil des weltweiten Wasserkreislaufs“, so der Regierungspräsident.

Zum Beispiel beeinflussen wir durch unser Einkaufsverhalten die Wassersituation in anderen Ländern. Viele Produkte des täglichen Gebrauchs werden in wasserarmen Ländern hergestellt. Durch Import und Nutzung verbrauchen wir indirekt riesige Wassermengen, die zur Herstellung gebraucht wurden: das so genannte „virtuelle Wasser“. Ein Schritt zu einer nachhaltigen Entwicklung, so Regierungspräsident Dr. Beinhofer, ist die Rückbesinnung auf regionale und saisonale Produkte. Hierdurch werden nicht nur die Wasservorräte in fernen Ländern geschont, sondern gleichzeitig auch die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt. 

„Man kann Eulen nach Athen tragen und Nachhaltigkeit nach Unterfranken.“, würdigte Dr.-Ing. Martin Grambow, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, die Erfolge von 10 Jahren AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ. Eine nachhaltige Entwicklung weltweit ist jedoch auch dringend notwendig, so Dr. Grambow in seinem Vortrag „Wasser im Kontext der Bayerischen Nachhaltigkeitsstrategie“ und Bayern könne hier ein gutes Beispiel geben. 

Noch leben wir in Frieden und Wohlstand, betonte Grambow, doch die Herausforderungen sind gewaltig. Angesichts der weltweiten Umweltprobleme und Krisen ist eine nachhaltige Entwicklung kein Luxus, sondern notwendig. Die Eindämmung des Klimawandels, die Sicherung von Wasser und regionaler Ernährung, die Erhaltung der Biodiversität und ein Stopp der Ungerechtigkeiten des internationalen Finanzsystems ist unabdingbar für die Erhaltung des gesamten Systems, so das Fazit von Martin Grambow.

Frau Dr. Vandana Shiva, Autorin des Bestsellers „Der Kampf um das Blaue Gold“, würdigte ausdrücklich die Aktivitäten in Unterfranken und wünschte sich viele Nachahmer. In ihrem sehr persönlichen Vortrag „Wasser im globalen Zusammenhang“ erzählte Frau Shiva den gebannten Zuhörern von ihrem jahrelangen Engagement gegen die Übernutzung von Grundwasservorkommen z.B. durch Großkonzerne und die industrialisierte Landwirtschaft, ihrem Kampf für sauberes Grundwasser, die Erhaltung der Biodiversität und das Überleben von Kleinbauern in Indien und der restlichen Welt.

In Übereinstimmung mit ihren Vorrednern und der Strategie der Bayerischen Wasserwirtschaft trat auch Frau Dr. Shiva für die Bewahrung der lokalen Strukturen der Wasserversorgung ein. „Wasser ist keine Ware, sondern es muss als heiliges Gut respektiert und nachhaltig bewirtschaftet werden“, machte Vandana Shiva deutlich und positionierte sich eindeutig gegen eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung. 

In dem anschließenden Podiumsgespräch, vom Moderator Jürgen Gläser, Bayerischer Rundfunk, souverän und humorvoll geleitet, kamen neben den Referenten noch weitere Experten aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz zu Wort. Unter den Motto „Das blaue Gold – Perspektiven für die Zukunft“ stand dabei primär die Landwirtschaft im Fokus der Diskussion.

Mehrere Teilnehmer der Podiumsdiskussion sehen in den Entwicklungsländern den Ökologischen Landbau, im Gegensatz zur großflächigen industriellen Landwirtschaft, als einzige Möglichkeit, die Ernährung nachhaltig zu sichern und gleichzeitig die Umwelt zu erhalten. Dagegen kann in Unterfranken bzw. Bayern mit seinen kleinräumigen bäuerlichen Strukturen auch die konventionelle Landwirtschaft mit grundwasserverträglichen Anbaumethoden einen wesentlichen Beitrag zum Grundwasserschutz leisten.